L E B E N & L I E B E N

Liebes Tochterkind – ein Brief

23. Oktober 2018

Eigentlich sollte dieser Beitrag gestern schon fertig sein…Aber leider warst du zu lange wach und ich einfach zu müde, um diese Zeilen hier noch rechtzeitig zu beenden. Nichts könnte unsere Beziehung treffender beschreiben.

Kind spielt auf dem Feld

Mein liebes Tochterkind. Seit drei Jahren bist du nun bei uns. Seit drei Jahren wirbelst du unser Familienleben gehörig durcheinander und hast uns viele lustige, rührende und auch ärgerliche Momente beschert. Wie unser Leben zu dritt und ohne dich war, kann und will ich mir gar nicht mehr vorstellen. Es ist als wärst du schon immer Teil von uns gewesen…bist aber einfach nur später zur Party erschienen.

Als Teenager hatte ich immer die Vorstellung irgendwann einmal zwei Kinder zu haben. Am liebsten einen Jungen und ein Mädchen. (Eigentlich ganz schön großer Quatsch, denn die Fortpflanzungsorgane des Kindes sind eigentlich völlig nichts sagend…) Im November 2010 wurde aus deinem Vater und mir dann eine richtige, kleine Familie. Dein Bruder wurde geboren…Und das unter nicht ganz so einfachen Bedingungen. Am Ende wurde alles gut und wir genossen die ersten Jahre mit deinem Bruder sehr. Doch ein weiterer Kinderwunsch war für meinen Körper vielleicht zu viel… Dann, im Herbst 2014, keimte ein Wunsch in uns allen auf, den dein Bruder zuerst äußerte. Ein Geschwisterchen  wünschte er sich – so sehr, dass ihn sein Einzelkinddasein sogar traurig machte. Sein Wunsch gab mir neuen Auftrieb. Ich ging zu meinen Ärzten und fragte. Fragte nach, ob mein Körper trotz der Thrombose eine weitere Schwangerschaft verkraften würde. Fragte nach, wie hoch das Risiko für mein Leben ist. Die Antworten waren vielversprechend und gaben mir Mut. Ein zweites Kind? Ein zweites Kind!

Wenige Monate nachdem sich dein großer Bruder so sehr ein Geschwisterchen wünschte, hielt ich den positiven Test in meiner Hand. Ich war allein, doch meine Freude hat für Millionen gereicht. So wie ich den Test anschaute, ploppte dein Name sofort in meinem Kopf auf. Aus welchen Gründen auch immer ( und nein, ich bin gewiss nicht esoterisch oder spirituell eingestellt) wusste ich es vom ersten Tag an, dass du unser Tochterkind sein wirst.

Ich kann mich noch genau an diesen einen Tag Ende Oktober 2015 erinnern. Es stand ein Kennenlerntermin im Krankenhaus an. Seit der Geburt deines Bruders hatte sich einiges im Klinikum und speziell auf der Geburtsstation getan. Dein Papa und ich brachten deinen großen Bruder gemeinsam in den Kindergarten. Bis zum besagten Termin hatten wir noch ein wenig Zeit, also entschieden wir uns für ein kleines Frühstuck außer Haus. Zu keiner Sekunde dachte ich, wie besonders dieser Tag werden würde. Außer Mutterpass und Handtasche hatte ich auch nichts dabei. Warum auch? Gegen Mittag bin ich doch wieder zuhause. Doch daraus wurde nichts… Verlassen habe ich die Klinik sieben Tage später, mit dir auf dem Arm und als Mutter von zwei Kindern. Zwei!

Beseelt vom Mutterglück und von dem süßen kleinen Menschen in unserem Leben, kamen wir in Ruhe zuhause an. Du warst so klein und zart! Schon damals wolltest du meine volle Aufmerksamkeit, wolltest kuscheln und körperliche Nähe. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Heute waren wir auf der Geburtstagsparty deiner Kindergartenfreundin. Und selbst da kamst du zwischendurch zu mir um einfach bei mir zu sein und zu kuscheln.  Mittlerweile schläfst du alleine ein – ein Meilenstein für uns! Viele verzweifelte Abende, an denen ich gern Besuch empfangen hätte oder mich einfach nur mal um mich gekümmert hätte, sind da bereits vergangen. Viele Tränen sind geflossen, deine und auch meine. Vieles davon tut mir rückblickend leid, aber auch ich bin noch nicht am Ende meiner Reise angekommen und lerne und wachse jeden Tag. Du treibst mich oft an meine Grenzen ohne es zu wissen. Du forderst mich jeden Tag und du belohnst mich jeden Tag. Mit dir!

O meine liebe, kleine Tochter,
Was wär’ ich ohne dich? – –
Ein Puppenspieler wär’ ich –
Ohne Lachen.
Ein Geiger wär’ ich –
Ohne eine Melodie.
Ich wär’ ein Wanderer
Und hätte nicht ein Fliederreis am Hut.
Ich wär’ ein Narr
Und wüsste keinen Scherz.
So aber hab’ ich dich! – –
Und alle Straßen werden bunt
Und laufen in die Sterne,
Weil ich dich habe.
Und alle Märchen tuen herbergsfroh sich auf
Und brennen ihre blauen Lichter an,
Damit ich darin wohnen kann.
Und jeder Vogel weiß,
Dass ich dich habe.
O meine liebe, kleine Tochter!

(Max Jungnickel)

Nun bist du ganze drei Jahre alt, wirst jeden Tag eigenständiger und forderst dein Stückchen vom Kuchen rigoros ein. Deinen eigenen Kopf hast du seit dem ersten Tag, und auch wenn mich dieser kleine Kopf in vielen Momenten in den Wahnsinn treibt, so verzückt er mich auch immer wieder. Liebevoll spielst du mit deinen Puppen, nur selten lässt du dir die Butter vom Brot nehmen, deiner Fantasie setzt du keine Grenzen, manchmal bist du schüchtern, manchmal bist du wild…Aber du bist immer unser Tochterkind. Unser geliebtes Wunschkind, dass unsere Familie komplett gemacht hat! <3 Ich liebe dich!

Mama

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